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Thibault Falk 4tet
„Sur Le Fil“
Alles beim Alten, und doch alles ganz anders. Pianist Thibault Falk nennt das Prinzip der zweiten CD seines Quartetts „Sur Le Fil“ „Kontinuität in der Diskontinuität“ und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Falk setzt bewusst auf dasVertraute und Bekannte. Er will nicht neu erfinden, sondern den Moment auskosten. Thibault Falk ist ein leidenschaftlicher Geschichtenerzähler. Die Songs auf „Sur Le Fil“ fließen ihm und seinen Gespielen aus der Hand. Ihre innere Triebkraft ist jenepoetische Stringenz, die keines Überbaus bedarf. „Ich will keine Filmmusik machen“, lautet Falks Credo, „sondern es soll meine eigene Sprache sein. Dazu brauche ich keine elektronischen Hilfsmittel. Es geht darum, Erfahrungen des Lebens live zu teilen. Das Schöne an diesem Beruf ist ja gerade die Intensität des Lebens, die man im Augenblick des Spiels spürt. Es ist heutzutage nicht einfach, seiner Musik und sich selbst treu zu bleiben und an das zu glauben, was man tut. Ich will auf Play drücken und ohne Effekte losspielen.“ Thibault Falk erzählt uns die alte Geschichte von Aufbruch und Wiederkehr. Nach seinem letzten Album trieb ihn der reine Überlebensinstinkt dazu, lukrative Jobs in Dubai und Lausanne anzunehmen. Er begleitete Sängerinnen in Hotels und fühlte sich wie im goldenen Käfig. Immerhin war es noch Jazz, so betont er. Der Pianist ist ein Romantiker, aber kein Schwärmer. Falk ist in der weiten Welt kein anderer geworden, sondern er lernte schätzen, lieben und verteidigen, was er zuhause hat. Zurück in Berlin breitet er sich in jenen Klängen aus, die er hier zurückließ. Die Wärme, Intimität und vertraute Nähe, die er mit seinen Bandkollegen einst genossen hatte, riss eine Lücke, die er auf Reisen nicht schließen konnte. Einige Stücke des neuen Albums begleiten Falk schon seit mehr als zehn Jahren, „aber es spielte keine Rolle, wann sie geschrieben worden waren, sondern einzig, was sie im Moment des Spiels bedeuteten und was wir daraus machen konnten.“ Thibault Falk ist Franzose, Saxofonist Yosh Yellon, der ebenfalls einige Kompositionen beisteuerte, Amerikaner, Bassist Andreas Lang Däne und Drummer Marcin Lonak Pole. Vier Musiker, die sich hier treffen, ihre Wurzeln jedoch ganz woanders haben. Jeder bringt nicht nur seine eigenen Geschichten mit, sondern auch seinen Slang, seine Marotten und Vorlieben. „Früher haben wir uns in der Band auf Englisch verständigt. Doch jetzt ist der Amerikaner in der Minderheit und wir reden Deutsch mit unseren verschiedenen Akzenten. Die Internationalität der Gruppe ist vielleicht für andere Leute spürbar, aber für uns zählt viel mehr diese gemeinsame Liebe zu jener unkommerziellen Musik, die wir gern kommerziell machen würden, ohne uns selbst zu verraten.“ Falk treibt ein geschicktes Spiel mit den personellen und spielerischen Möglichkeiten seiner Band. Man kann sie als homogenes Quartett ansehen, aber auch als Piano-Trio mit Saxofonist. Falk liebt sein Instrument über alles, aber von der Inflation der europäischen Piano-Trios wollte er sich bewusst distanzieren. Innerhalb des Quartetts bringt er seine Auffassung von Piano-Trio dennoch zu Gehör. „Als Pianist muss man fähig sein, ein Trio zu leiten. Aber irgendwann muss man auch teilen können. Man braucht nicht alle Themen selbst zu spielen. Es ist schön, ein Thema aus der Hand zu geben, wenn man einem Musiker vertraut, und dann nur noch zu begleiten.“ So ist „Sur Le Fil“ nicht zuletzt auch eine Geschichte über das Teilen menschlicher Erfahrungen und Gefühle. Ein besonderes Album, dessen Besonderheit darin besteht, dass es nicht „besonders“ sein will. Wolf Kampmann
Thibault Falk Klavier wurde in Le Puy en Velay (Frankreich) bei Lyon geboren. Schon sehr früh interessierte sich Falk für Jazz, er macht aber zunächst eine Klassische Ausbildung für Klavier am Conservatorium von St. Etienne. Während eines fünfjährigen Studiums der Betriebswirtschaftslehre riss seine Verbindung zum Jazz nie ab. Im Februar 1997 beschloss er, sein Hobby zum Beruf zu machen und ging nach Berlin, wo er ein Studium der Jazz- und Popularmusik an der Hochschule für Musik Hanns Eisler begann. Er machte sich bekannt mit seinem Trio in Berlin. Mit einem internationalen Quartett gewann er 2002 den Jazz & Blues Award in Berlin, Jurypreis mit Jean-Paul Bourelly, und den Publikums Preis(Teilnahme am Festival Jazz Focus, Wabe). Später kamen andere musikalischen Projekte auf Kreuzfahrtschiffen, Solo oder Trio, sowie Projekte mit einem brasilianischen Sänger. Er war Mitglied der Band „Sahne-funk“. Im Mittelpunkt seines musikalischen Schaffens steht das „Thibault Falk Quartett“ mit Eigenkompositionen des Künstlers.
Josh Yellon Tenor-, Altsaxophon wurde in den USA in der Nähe von Cleveland geboren. Sein Interesse für Musik begann, als er mit 13 Jahren anfing Bassgitarre zu spielen. Schon damals trat er als professioneller Musiker mit seiner Band „Andersun Council“ in verschiedenen Jazz-Clubs auf. 1993 lernte er Tenorsaxophon und studierte bei Kevin Burner am Cleveland Institute of Music und bei dem Jazzpianisten Neil Creque. Er zog nach New York City und studierte Rhythmik bei dem Schlagzeuger Jamey Haddad. 1998 ging Yellon zurück nach Cleveland, um an der Gründung der „Modern Arts Coalition of Cleveland“ (MACC) mitzuwirken. In Cleveland tauchte er in die lokale Latin Musik-Gemeinschaft ein und arbeitete 1998 bis 2002 als musikalischer Direktor für „Son Alegre“ (Salsa/Meringue) sowie als freischaffender Musiker. Yellon spielte gemeinsam mit Curtis Fuller, John Schröder, Benny Golson, Milt Jackson und vielen mehr. Zur Zeit ist er in Projekten von „M-21“ involviert, macht Aufnahmen und kooperiert mit internationalen Künstlern. Josh Yellon ist gegenwärtig vor allem in Berlin tätig.
Andreas Lang Bass stammt von einer Insel im Süden Dänemarks. Mit sechzehn Jahren fing er an Bass zu spielen, mit einundzwanzig begann er ein Studium auf der Carl-Nielsen-Musikakademie in Odense bei dem Bassisten Bo Stief. Andreas Lang spielte in Dänemark mit Musikern wie Anders Mogensen, Hans Ulrik, Kresten Osgood, Håvard Wiik und Mads la Cour. Im Jahre 2007 zog er nach Berlin und ist seitdem in der dortigen Jazzszene unterwegs. So arbeitete er hier mit Oliver Steidle, Gunter Hampel, Henrik Walsdorf, Tobias Delius, John Schröder und vielen anderen.
Marcin Lonak Schlagzeug wurde in Polen geboren. Bereits in jungen Jahren hatte er Klavierunterricht und mit neun seinen ersten Schlagzeugunterricht. Im Alter von zehn Jahren war er schon Mitglied einer Band. Bald wurde dann seine Begeisterung für den Jazz wach. Zunächst genoss er eine klassische Ausbildung, dann begann er an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin Jazz zu studieren. Marcin Lonak blieb 2003 sechs Monate in New York und studierte bei John Riley und Ralph Peterson (New School of Music, Drummers Collectif). Inzwischen ist er aus der Berliner Jazzszene nicht mehr wegzudenken. Er spielte in mehreren Formationen, u.a. mit Dave Samuels Latin Band, Euromeet BigBand, mit Eric Lewis, The Pacers, David Rose, Dirk Engelhardt, Twana Rhodes, Tanja Siebert, Eric St Laurent, Nurse or Nuke, Jürgen Hahn, Karl Heinz Boehm und Helio Serodio. |
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Thibault Falk 4tet
„Sur Le Fil“
UNIT Records UTR 4273
Vertrieb-D: JaKla/Alive
Vertrieb-A: Extraplatte
 Thibault Falk (p)
Josh Yellon (ts, as)
Andreas Lang (b)
Marcin Lonak (dr)
Veröffentlichung:
19. November 2010
[Info
als PDF] - 2 MB
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