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Malte Schillers
Red Balloon
„The Second Time Is Different“

Mit seinem elfköpfigen Ensemble Red Balloon hat der Saxofonist Malte Schiller zweifellos eine der spannendsten neuen Großformationen des aktuellen Jazz in Deutschland zusammengestellt. Spannend deshalb, weil hier nicht marktschreierisch Altes zertrümmert wird. Ganz im Gegenteil: Schillers Red Balloon bezieht sich bewusst auf die Vergangenheit, namentlich auf Gerry Mulligans Concert Band, die mit Schreibern wie Bob Brookmeyer, George Russell oder Mulligan selbst einst die Tradition der Big Bands in die Moderne überführte. Bei Red Balloon handelt es sich aber keinesfalls um eine Reproduktion des Vergangenen. Vielmehr entsteht hier unter der Leitung eines ausgesprochen talentierten Komponisten und Arrangeurs etwas Neues - extrem differenzierte, abwechslungsreiche und farbintensive Klanggebilde mit überraschenden thematischen Entwicklungen, betörenden Melodien und originellen Updates der Tradition. „The Second Time is Different“ – das ist nicht nur das titelgebende Stück der ersten Red Balloon-CD, sondern auch eine sehr genaue Umschreibung für die Philosophie des Bandleaders. „Wenn ich Musik schreibe, will ich so ehrlich wie möglich sein. Ich versuche, alle Gedanken im Hinterkopf auszublenden, die mir sagen: Du musst das jetzt auf diese oder jene Art machen, weil sich das so gehört“, erklärt Schiller. Der 29-Jährige, der unter anderem Mitglied des deutschen Elitenensembles BuJazzO unter der Leitung von Peter Herbolzheimer war, vermeidet stets das Erwartbare.

Wie ein Alchimist experimentiert er mit den musikalischen Grundelementen und schaut gespannt zu, welche Veränderungen ein Motiv erfährt – wie es seine Form ändert, wenn man es unter Druck setzt oder ihm den Sauerstoff der Holz- und Blechbläser hinzufügt, wie es sich dreht, wenn es von der Rhythmusgruppe kontrapunktisch bearbeitet wird. Und auch stilistisch lotet der Komponist die Kombinations-Möglichkeiten zwischen Maria Schneider, Tango Nuevo, Arvo Pärt und Choral-Polyphonie aus. Man kann es nicht anders sagen: Schiller verwandelt die altbekannten Zutaten des Big-Band-Sounds in pures Hör-Gold. Das gelingt dem 1982 in Niedersachsen geborenen Wahl-Berliner nicht nur mit seinen eigenen Kompositionen. Wie souverän und respektvoll er dazu in der Lage ist, auch Klassikern neues Leben einzuhauchen, beweist er auf „The Second Time is Different“ nachdrücklich. Man höre nur, wie das zunächst an Gil Evans gemahnende Arrangement von Billy Strayhorns „Lush Life“ allmählich zu einer düsteren Hardrocknummer wird. Dass Schiller alle Gestaltungsmöglichkeiten ausschöpfen kann, verdankt sich nicht zuletzt seinem hervorragenden Ensemble, dem u. a. mit Uli Kempendorff, Charlotte Greve und Manuel Schmiedel einige der feinsten Musiker aus der neuen Berliner Jazzgeneration angehören. Im Satzspiel und im solistischen Ausdruck macht das verschworene Instrumentalisten-Kollektiv dem Bandnamen Red Balloon alle Ehre. Die acht Bläser plus Rhythmusgruppe agieren ungemein elastisch, farbenfroh, verspielt und federleicht. Davon konnte sich das Publikum beim renommierten Festival JazzBaltica bereits überzeugen. Weitere Höhenflüge werden folgen - davon ist nach dem bemerkenswerten CD-Debüt fest auszugehen. „Maltes Musik verfügt über Tiefe, Emotion und eine eigene traurige Schönheit, die auf mich als Hörer unglaublich anziehend wirkt“, sagt Schillers Mentor Ed Partyka. Besser lässt sich die Faszination, die von Red Balloon ausgeht, nicht in Worte fassen.  

 

Malte Schillers
Red Balloon
„The Second Time Is Different“

UNIT Records UTR 4312
Vertrieb-D: JaKla/harmonia mundi
Vertrieb-A: Extraplatte

Malte Schiller
(comp., arr,
ts, fl, cl)

Veröffentlichung:
17.02.2012

[Info als PDF] - 1 MB

 

 

 
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